Im November hat Ihre PV-Anlage den größten Teil ihres Jahresertrags bereits erzeugt. Deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen: Passt der Ertrag zur Prognose, stimmen die Zählerstände für die Abrechnung, und gibt es Hinweise auf technische Probleme? Mit einem strukturierten Jahrescheck erkennen Sie Auffälligkeiten früh und gehen gut vorbereitet ins neue Jahr.
Warum sich der Check gerade im November lohnt
Den größten Teil ihres Stroms erzeugt eine Photovoltaikanlage in Süddeutschland zwischen März und September. Die Monate November bis Januar tragen meist nur einen kleinen Teil zum Jahresertrag bei. Wenn Sie jetzt auf die Zahlen schauen, sehen Sie also schon recht gut, wie das Jahr insgesamt ausfallen wird.
Dazu kommt das Jahresende: Viele Netzbetreiber und Stromversorger fragen um den Jahreswechsel die Zählerstände ab oder lesen sie aus. Häufig wird dann auch die Einspeisevergütung abgerechnet. Die genauen Termine und Abrechnungszeiträume unterscheiden sich allerdings je nach Unternehmen. Gewerbebetriebe planen außerdem oft ihre Wartungs- und Prüftermine fürs kommende Jahr. Wer seine Daten jetzt sortiert, spart sich später Rückfragen.
Schritt 1: Den Jahresertrag richtig einordnen
Die wichtigste Kennzahl ist der spezifische Ertrag, also die erzeugten Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak installierter Leistung (kWh/kWp). Damit lassen sich Anlagen unterschiedlicher Größe vergleichen. In Niederbayern liegen gut geplante Anlagen häufig grob zwischen 950 und 1.100 kWh/kWp im Jahr. Wie viel es genau ist, hängt von Ausrichtung, Dachneigung, Verschattung, Modultechnik und dem jeweiligen Wetterjahr ab. Ost-West-Dächer liefern pro kWp meist etwas weniger als reine Süddächer, verteilen den Ertrag dafür gleichmäßiger über den Tag.
Ein Beispiel: Eine Anlage mit 10 kWp, die bis Anfang November rund 9.300 kWh erzeugt hat, wird zum Jahresende voraussichtlich bei etwa 9.500 bis 9.700 kWh landen. Das sind rund 950 bis 970 kWh/kWp, also ein plausibler Wert.
Am aussagekräftigsten ist der Vergleich mit der Ertragsprognose aus der Planung. Abweichungen von einigen Prozent sind normal, denn die Sonneneinstrahlung schwankt von Jahr zu Jahr. Fehlt aber deutlich mehr, als grober Richtwert etwa 15 Prozent oder mehr, ohne dass das Wetter ungewöhnlich schlecht war, sollten Sie der Sache nachgehen.
Schritt 2: Monitoring und Wechselrichter auswerten
Die meisten Wechselrichter speichern Erträge und Fehlermeldungen und zeigen sie in einer App oder einem Webportal an. Prüfen Sie dort vor allem:
- Monatsverläufe: Gibt es einzelne Monate, die im Vergleich zum Vorjahr oder zur Prognose deutlich einbrechen?
- Ausfallzeiten: Fehlen trotz Sonne an einzelnen Tagen die Daten oder die Erzeugung, kann ein Verbindungsabbruch oder ein Geräteausfall dahinterstecken. Im Winter kann auch Schnee auf den Modulen die Erzeugung zeitweise stoppen.
- Fehlerprotokoll: Häufige Meldungen wie Isolationsfehler oder Netzabschaltungen sollte sich ein Fachbetrieb ansehen.
- Stringvergleich: Hat Ihr Wechselrichter mehrere Eingänge, sollten Strings mit gleicher Ausrichtung und Modulzahl ähnliche Werte liefern. Liefert ein String dauerhaft weniger, kann ein defektes Modul, ein loser Stecker oder neue Verschattung dahinterstecken.
Prüfen Sie auch, ob das Monitoring überhaupt noch Daten erhält. Nach einem Routerwechsel oder einem neuen WLAN-Passwort bricht die Verbindung häufig ab, ohne dass es jemand bemerkt.
Schritt 3: Zählerstände und Eigenverbrauch prüfen
Ihr Zweirichtungszähler erfasst zwei Werte getrennt: den Netzbezug (bei digitalen Zählern meist mit der Kennung 1.8.0 angezeigt) und die Einspeisung (meist 2.8.0). Notieren Sie beide Stände zum Jahresende mit Datum oder machen Sie ein Foto. Damit können Sie die Abrechnungen von Netzbetreiber und Stromversorger nachvollziehen.
Aus diesen Werten und der Erzeugung laut Wechselrichter berechnen Sie den Eigenverbrauch näherungsweise:
- Eigenverbrauch = Erzeugung minus Einspeisung
- Eigenverbrauchsquote = Eigenverbrauch geteilt durch Erzeugung
- Autarkiegrad = Eigenverbrauch geteilt durch (Eigenverbrauch plus Netzbezug)
Ein Beispiel: Die Anlage erzeugt 9.600 kWh, davon werden 6.400 kWh eingespeist. Der Eigenverbrauch liegt damit bei 3.200 kWh, die Eigenverbrauchsquote bei rund einem Drittel. Kommen 2.800 kWh Netzbezug hinzu, ergibt sich ein Autarkiegrad von etwa 53 Prozent. Diese Zahlen helfen Ihnen bei der Entscheidung, ob ein Speicher, eine Wallbox oder ein angepasster Verbrauch im Haushalt oder Betrieb sinnvoll wäre.
Prüfen Sie außerdem, ob die Daten Ihrer Anlage im Marktstammdatenregister noch stimmen. Das gilt besonders dann, wenn Sie im Lauf des Jahres einen Speicher nachgerüstet oder die Anlage erweitert haben. Auch solche Änderungen müssen dort eingetragen werden.
Schritt 4: Sichtprüfung und Wartung planen
Einiges können Sie vom Boden aus selbst prüfen, ohne aufs Dach zu steigen. Achten Sie auf verrutschte oder beschädigte Module, starke Verschmutzung, Laub in den Randbereichen und neue Schattenwerfer wie gewachsene Bäume. Auch Marderschäden an Leitungen unter den Modulen kommen vor. Angefressene Kabelisolierungen sind vom Boden aus aber meist nicht zu erkennen. Das lässt sich erst bei einer genaueren Kontrolle durch einen Fachbetrieb feststellen.
Eine Reinigung ist bei geneigten Dächern meist nicht nötig, weil der Regen den Großteil des Schmutzes abwäscht. Anders ist das bei flach geneigten Modulen oder in der Nähe von Ställen, Feldern oder staubigen Betriebsflächen. Dort kann sich Schmutz hartnäckiger festsetzen.
Eine fachgerechte Wartung umfasst in der Regel die Prüfung von Befestigung, Verkabelung, Steckverbindungen, Schutzeinrichtungen und Wechselrichter sowie elektrische Messungen. In Gewerbebetrieben sind regelmäßige Prüfungen elektrischer Anlagen in der Regel ohnehin vorgeschrieben. Die Abstände ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung, die PV-Anlage sollte darin mit erfasst sein. Prüfen Sie bei der Gelegenheit auch, ob Ihre Versicherung die PV-Anlage und gegebenenfalls einen nachgerüsteten Speicher abdeckt.
Fazit
Ein Jahrescheck im November dauert meist nicht lange und lohnt sich trotzdem. Sie vergleichen den spezifischen Ertrag mit der Prognose, werten Monitoring und Fehlerprotokoll aus, halten die Zählerstände fest und berechnen Ihren Eigenverbrauch. So sehen Sie, ob Ihre Anlage so läuft wie geplant und wo sich Verbesserungen lohnen könnten. Wenn der Ertrag deutlich zu niedrig ist, Fehlermeldungen auftauchen oder eine Wartung ansteht, sollte ein Fachbetrieb die Anlage prüfen. SOMV Project Consulting unterstützt Sie in Niederbayern bei Wartung und Service Ihrer PV-Anlage.
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