Ställe, Scheunen und Maschinenhallen haben oft große, wenig verschattete Dachflächen und eignen sich deshalb gut für Photovoltaik. Bevor dort Module montiert werden, müssen aber einige Punkte geklärt sein, die bei Wohnhäusern kaum eine Rolle spielen. Die ruhigeren Wintermonate sind dafür eine gute Gelegenheit.
Warum sich der Winter für die Planung anbietet
Auf vielen Höfen in Niederbayern ist zwischen November und Februar weniger Feldarbeit zu erledigen. Diese Zeit können Sie für Gespräche, Unterlagen und Entscheidungen nutzen, für die im Frühjahr und Sommer kaum Zeit bleibt. Hinzu kommt: Bei größeren Anlagen dauern Abstimmungen mit dem Netzbetreiber, Prüfungen der Dachstatik und unter Umständen eine Dachsanierung oft mehrere Wochen bis Monate. Wenn Sie jetzt anfangen, kann die Anlage im Idealfall rechtzeitig zur ertragsstarken Jahreszeit laufen.
Die Montage selbst ist auch im Winter grundsätzlich möglich, hängt aber von der Witterung ab. Bei Schnee, Eis oder starkem Wind wird auf landwirtschaftlichen Dächern aus Sicherheitsgründen in der Regel nicht gearbeitet. Planen Sie deshalb etwas Spielraum ein.
Das Dach: Statik, Zustand und Asbest
Der wichtigste Punkt ist das Dach selbst. Ältere Hallen und Ställe wurden oft knapp bemessen. Eine PV-Anlage bringt zusätzliches Gewicht, und in Niederbayern müssen außerdem regional teils hohe Schneelasten berücksichtigt werden. Ob die Tragkonstruktion das aushält, sollte im Zweifel ein Statiker prüfen.
- Restlebensdauer der Eindeckung: Eine PV-Anlage ist auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt. Muss das Dach in einigen Jahren ohnehin erneuert werden, ist es meist sinnvoller, das vor der Montage zu erledigen. Sonst müssten Sie die Module später ab- und wieder aufbauen.
- Asbestzement: Viele ältere Wirtschaftsgebäude haben Wellplatten aus Asbestzement. Auf solchen Dächern dürfen keine Module montiert werden, denn Arbeiten wie Überdecken, Überbauen oder Aufständern sind nach dem Gefahrstoffrecht verboten. Die Platten müssen vorher von einem sachkundigen Fachbetrieb entfernt und entsorgt werden. Dacherneuerung und PV-Anlage lassen sich aber gut zusammen planen.
- Holzkonstruktionen: Bei alten Dachstühlen sollten Sie den Zustand von Pfetten und Sparren kontrollieren lassen, etwa auf Feuchteschäden.
Besonderheiten bei Ställen
Bei Tierhaltung ist die Umgebung für die Technik anspruchsvoller als auf einem Wohnhaus. Die Stallluft enthält Ammoniak und Feuchtigkeit, und durch Lüftungsöffnungen kommt Staub dazu. Für Stalldächer sollten Sie deshalb Module verwenden, die auf Ammoniakbeständigkeit geprüft sind, zum Beispiel nach IEC 62716. Auch Unterkonstruktion, Kabelführung und Befestigungsmaterial müssen für diese Bedingungen geeignet sein.
Der Wechselrichter sollte möglichst nicht im Stall selbst stehen, sondern in einem trockenen, gut belüfteten und staubarmen Raum. Beim Brandschutz geht es um die Leitungsführung, die Zugänglichkeit für die Feuerwehr und die Lagerung von Heu und Stroh in der Nähe. Was im Einzelfall verlangt wird, hängt von Gebäude und Nutzung ab. Klären Sie das am besten schon in der Planung, auch mit Ihrer Gebäudeversicherung.
Eigenverbrauch auf dem Hof richtig einschätzen
Wirtschaftlich besonders interessant wird eine Anlage, wenn ein großer Teil des Stroms auf dem Hof selbst verbraucht wird. Je nach Betrieb gibt es dafür typische Verbraucher:
- Milchkühlung, Melktechnik und Melkroboter in Milchviehbetrieben
- Lüftung und Beleuchtung in Schweine- und Geflügelställen
- Getreide- oder Heutrocknung, Förderanlagen und Mühlen
- Werkstatt, Hofladen und Kühlräume für die Direktvermarktung
- Wärmepumpen und künftig gegebenenfalls elektrische Hoffahrzeuge
Wie gut Stromverbrauch und Solarertrag zusammenpassen, ist von Hof zu Hof sehr unterschiedlich. Eine Milchkühlung läuft das ganze Jahr, eine Trocknung oft nur einige Wochen. Am zuverlässigsten planen Sie mit echten Verbrauchsdaten. Bei einem Lastgangzähler liefert Ihr Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber Viertelstundenwerte. Ansonsten helfen die Jahresabrechnungen und eine Aufstellung der wichtigsten Maschinen mit Laufzeiten. Damit lässt sich abschätzen, ob und wie groß ein Batteriespeicher sinnvoll wäre, etwa um Strom für die Melkzeiten am Abend und am frühen Morgen zu speichern.
Netzanschluss, Größe und Rechtliches
Auf großen Hallendächern sind schnell Anlagen mit vielen Dutzend oder auch mehreren hundert Kilowatt Leistung möglich. Ob der vorhandene Netzanschluss so viel aufnehmen kann, entscheidet der Netzbetreiber. Gerade im ländlichen Raum sind die Netze nicht überall stark ausgebaut. Stellen Sie deshalb früh eine Netzanfrage, denn das Ergebnis bestimmt die sinnvolle Anlagengröße mit. Manchmal ist eine Anlage, die vor allem auf den Eigenverbrauch ausgelegt ist, die bessere Wahl als die größtmögliche Belegung.
Je nach Leistung kommen zusätzliche Pflichten hinzu, zum Beispiel technische Vorgaben zur Steuerbarkeit oder ab einer bestimmten Größe die Direktvermarktung des eingespeisten Stroms. Diese Grenzen und die Vergütungssätze ändern sich immer wieder. Sie sollten deshalb für den geplanten Inbetriebnahmezeitpunkt aktuell geprüft werden.
Steuerlich ist die Situation in landwirtschaftlichen Betrieben oft besonders. Das gilt etwa für die Frage, ob die PV-Anlage dem landwirtschaftlichen oder einem gewerblichen Bereich zugeordnet wird, und für die Umsatzsteuer bei pauschalierenden Landwirten. Sprechen Sie das vor der Investition mit Ihrem Steuerberater ab. Die beste Lösung hängt hier stark vom Einzelfall ab.
Wenn Sie selbst nicht investieren möchten, kommt für Betriebe mit hohem Strombedarf auch ein Onsite-PPA in Frage. Dabei finanziert, baut und betreibt ein Anbieter die Anlage auf Ihrem Dach, und Sie kaufen den erzeugten Strom zu einem festen Preis. Ob sich das lohnt, hängt unter anderem von Dachfläche, Verbrauch und Vertragslaufzeit ab.
Fazit
Stall-, Scheunen- und Hallendächer bieten Landwirten in Niederbayern viel Fläche für Solarstrom. Damit die Anlage möglichst lange zuverlässig läuft, müssen vorher Statik, Zustand der Eindeckung und Asbestfragen geklärt sein. Auf Ställen braucht es zudem geeignete, ammoniakbeständige Komponenten. Wirtschaftlich entscheidend sind ein realistisch ermittelter Eigenverbrauch und ein passender Netzanschluss. Nutzen Sie die ruhigeren Wintermonate, um Unterlagen zu sammeln, das Dach prüfen zu lassen und die Netzanfrage zu stellen. Dann kann die Anlage im Idealfall rechtzeitig vor der sonnenreichen Jahreszeit in Betrieb gehen.
Fragen zu Ihrer Solaranlage?
Wir beraten Sie persönlich und unverbindlich – für Ihr Zuhause oder Ihren Betrieb in Niederbayern.